Heinz Däpp hat während Jahrzehnten in verschiedenen Zeitungen, im Radio und in Büchern über den Ernst der Lage im Kanton Bern und in der Schweiz berichtet – bis er eines Tages nicht einmal mehr sich selber ernst nehmen konnte. Es blieb ihm nur noch die Satire.

 

Im Schnappschuss, der von 1995 bis im März 2010 allwöchentlich am Freitagabend um fünf vor sechs im Berner Regionaljournal von Schweizer Radio DRS1 zu hören war, parodierte Däpp, was ihm in der Politik und in anderen gesellschaftlichen Bereichen wie auch im banalen Alltag als ungereimt erschien. Prominente von Christoph Blocher und Marcel Ospel bis Doris Leuthard und Michelle Hunziker, aber auch Unbekannte wie Vreni Vögeli oder Leo Greulich knipste Däpp aus ungewohntem Blickwinkel. Die Geschichten, die er dann über seine Protagonisten erfand, rankten sich üppig um den Kern Wahrheit, der spätestens in der Schlusspointe mit mehr oder weniger Nachsicht blossgelegt wurde. Manchmal war der Schnappschuss unerbittlich, dann etwa, wenn Däpp wirtschaftliche Schamlosigkeit oder mediale Irreführung an den Pranger stellte. Oft aber weckte er gerade dadurch Sympathie für seine Pappenheimer, dass er sie in ihren allzu menschlichen Regungen zeigte. So wurde Grossrat Kaderli Hans-Ueli schon fast zu einer liebenswürdigen Kultfigur, wenn Ehefrau Rösi ihn im letzten Augenblick doch noch zu besserer Einsicht nötigte.

 

Heinz Däpp will in seinen neuen Programmen satirischer Gesellschaftskritiker bleiben und seine Aufmerksamkeit weiterhin vorab dem politischen Getümmel in der Schweiz und im Kanton Bern zuwenden. Er möchte seine Themen aber vermehrt aus seinem Erfahrungsschatz schöpfen und weniger von der Tagesaktualität bestimmen lassen. Satire, sagt Däpp, solle weh tun, aber nicht verletzen. Er hält es mit dem grossen italienischen Satiriker Dario Fo, der zwischen Zynismus und Satire unterscheidet: «Zynismus, im modernen Sinn verstanden, ist destruktiv. Auf überhebliche Weise werden allgemein gültige Werte und Normen in Frage gestellt. Der Zyniker unserer Zeit ist ein völlig leidenschaftsloser Mensch, desillusioniert und ohne Willen, Missstände zu beheben. Ganz anders der Satiriker. Voraussetzung für die Satire ist genau das, was dem Zyniker abgeht: eine grosse Passion. Als Satiriker ist man zutiefst empört über politische und gesellschaftliche Missstände, die man zu entlarven versucht.»

 

Heinz Däpp, geboren 1942, Schulen und Lehrerseminar in Bern, war Redaktor am Berner Tagblatt, am Burgdorfer Tagblatt und an der Basler National-Zeitung. Er gehörte in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre zu jenen jungen Schriftstellern, Journalisten, Künstlern und Lehrern, die als sogenannte Nonkonformisten an den festgefügten gsellschaftlichen Normen zu rütteln begannen und damit die etablierten Machtträger und Meinungsmacher, das sogenannte Establishment, erschreckten und erzürnten. Später war Däpp Berner Korrespondent der Basler Zeitung, Mitarbeiter von Schweizer Radio DRS und Dozent am Medienausbildungszentrum MAZ in Luzern. 2005 erhielt er den Berner Bäredräckprys. Er wohnt in der Berner Altstadt.